Freitag, 29. Mai 2015

Brief 4 vom 24.5.1940


Angekommen in Konstanz am 29.05.1940


Liebe Annie und liebe Kinder!                                                            Göding, den 24.5.1940                                                                                             
Die Tage fliegen nur so dahin und kaum hat man sich´s versehen, so ist eine Woche wieder vorbei.
Morgen ist Samstag und ich werde wahrscheinlich mit dem Stuben- oder Flurdienst drankommen, so daß ich wahrscheinlich kaum zum Schreiben kommen werde. Da habe ich mit anderen Kameraden die Stube oder den Flur zu reinigen und man muß während dieser Tage fest springen, um bei allem mitzukommen.
Also, Du wirst an diesem Tage kurz treten müssen, doch ich glaube, daß diese Gründe zwingend sind.
Wie wir heute erfahren haben, werden wir wahrscheinlich am Sonntag vereidigt. Aus diesem Grunde werden wir noch über die Pflichten des deutschen Soldaten unterrichtet. So greift mit der übrigen Ausbildung alles in einander.
So was wir noch gehört haben, haben wir bis jetzt den Eindruck hinterlassen, als ob der größte Teil schon etwas taugt.
Gestern habe ich mir die erste Halsbinde selber gewaschen und die Strümpfe werden am Sonntag oder gar noch heute drankommen. Es gibt bis jetzt also wirklich noch keine Möglichkeit, daß man Langeweile bekommt.
Ich bin nun für heute bis zum Sonntagmittag zum Reinigen eingeteilt, so daß ich sicher nicht so viel schreiben kann.
Trotz des Sonderdienstes habe ich mir hier ein Viertel Weißwein genehmigt, damit ich besser schlafen kann. Wie ich Dir aber schon einmal geschrieben habe, so sind wir am Abend tüchtig müde. Aber der Dienst geht mir wieder so in Fleisch und Blut über, daß ich nachts schon die verschiedenen Männer antreten lasse und kommandiere.
Auch hier kommt meine alte Schwäche wieder zum Vorschein. Jedenfalls haben mir die Kameraden erzählt, daß ich vorletzte Nacht kommandiert habe.
Ein Kamerad wird mich wahrscheinlich am Sonntag fotografieren, so daß ich Dir bald den Film zukommen lassen kann, von dem Du dann eine Vergrößerung anfertigen lassen kannst. Ich will mal sehen, wie es ausfällt.
Gute Nacht liebes Mädel und sei vielmals herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Soldaten Ernst. Küsse die Kinder vielmals von mir und grüße auch Vater.

Dienstag, 26. Mai 2015

Brief 3 vom 23.05.1940


Angekommen in Konstanz am 27.05.1940


Mein liebe Frau!       Göding, den 23.5.40

Gestern habe ich Dir geschrieben und ich bin bemüht, Dir laufend Nachricht zukommen zu lassen.
Heute ist wieder schönes Wetter und die Kastanien und der Flieder blühen, so daß man auch hier merkt, daß der Frühling eingezogen ist.
Wir haben zwar etwas mehr zu schwitzen, doch die Welt sieht dabei ganz anders aus. Eines habe ich aber festgestellt, daß die Sprüche, die ich früher von anderen gehört habe, stark übertrieben sind. Wenn es nicht schlimmer kommt, komme ich ohne weiteres bei allem mit, ohne daß ich noch nebenbei etwas lernen muß. Ich habe mir es jedenfalls schwerer vorgestellt.
Heute früh war es mir zwar etwas schwummerig, aber wenn man sich ein bißchen zusammenreißt, so geht das schon. Verschiedene sind wieder heimgeschickt worden wegen verschiedener Leiden, andere sind schon wegen ihrer Leiden ins Revier gekommen.
Heute Mittag hatten wir Eintopf zum Essen und zwar so eine Art Spätzle mit Kartoffeln und Fleisch. Es war nicht schlecht, doch der Sodageschmack liegt mir noch auf der Zunge.
Ich leiste mir am Tage immer eine Tafel Schokolade, die wir hier in der Kantine kaufen können, damit es immer ein bißchen Abwechslung gibt. Man muß eben sehen, wie man sich das Leben den Umständen entsprechend einigermaßen angenehm gestaltet.
Übrigens, von Deinem selbstgebackenen Gebäck habe ich noch einiges da liegen und nehme mir hin und wieder etwas davon.
Ist unser Junge auch brav und was macht unsere Helga. Sind beide gesund und wie geht es ihnen? Was machst Du und wie geht Dir`s. Ich hoffe in dieser Woche noch von Dir Nachricht zu erhalten.
Für diesmal will ich es kürzer machen, es kann aber möglich sein, daß es mir heute Abend noch zu einem Gruß im Bett langen wird.
Es ist wieder Abend geworden. Der Dienst ist für heute zu Ende. Heute Abend hat es etwas für Euch seltenes zum Abendessen gegeben und zwar Heringssalat mit Gurkenstücken drin. Das war sehr Appetit anregend. Ich  will Dir den Mund aber nicht wässrig machen.
Ich werde noch an Gerhard und ans Geschäft schreiben, damit die zufrieden sind.
Ein neues Lied haben wir auch wieder gelernt und zwar „Monika“. Das wird jetzt mit großer Begeisterung von uns gesungen. Gute Nacht meine liebe Annie und sei Du herzlich gegrüßt und geküsst von Deinem Ernst. Küsse die Kinder für mich und sage Ihnen, daß sie Dir parieren sollen, damit ich mir um sie keine Sorgen machen brauche. Grüße auch Vater.  .

Brief 2 vom 22.05.1940

Angekommen in Konstanz am 27.05.1940



Meine liebe Annie + liebe Kinder!         Göding, den 22.5.40

Eine Woche ist nun vergangen, seit ich nun von Euch fort bin. Ich sehe Euch 3 noch am Zuge stehen, als wir fort fuhren, was in der Zeit bei Euch vorgefallen ist und wie es Euch geht ist mir noch unbekannt. Ich werde bemüht sein, Euch weiter auf dem Laufenden zu halten, wie es mir geht und wie es mir ergangen ist.
Heute waren wir zur Blutentnahme für Blutproben. Früh sind wir heute wegen Alarmübung mit aus der Falle geholt worden, so daß wir schon 1/4 5 Uhr raus mußten. Weiter hatten wir wieder exerzieren und Unterricht. Der Vormittag ist wieder vorbei und jetzt haben wir Mittagspause. Heute gibt es Kartoffeln, Sauerkraut,  Schweinefleisch + Suppe.
Sonst geht die Ausbildung ziemlich Tempo, Tempo. Gewehrgriffe und Zielübungen werden heute noch durchgenommen und wer da sein bißchen Grips nicht zusammennimmt, der hat schon Schwierigkeiten.
So kann es passieren, daß der betreffende den Kaserenenhof durchmessen muß. Das wäre an sich schließlich auch nicht so schlimm, wenn die jungen Oberschützen, Gefreiten oder Unteroffizieren nicht immer dabei grinsen würden. Man muß eben immer wieder denken, wie ich Dir ja schon geschrieben habe, „Du kannst mich“.
Wir haben aber auch unter den Rekruten einige dabei, die sich gerne wichtig machen wollen.
Gestern Abend bin ich schon mit einem zusammengestoßen, weil der sich schon aufspielen wollte. Na Du weißt ja, daß ich mir da nicht gleich etwas gefallen lasse. Über die weiteren Ereignisse werde ich Dir vielleicht heute Abend berichten.
Was machen denn unsere beiden Göhren. Sind sie noch frisch und munter und folgen sie Dir auch richtig. Ich hoffe es jedenfalls und glaube, daß sie Dir nicht viel Schwierigkeiten machen. Geh Du doch bitte, soweit es das Wetter zuläßt, wenigstens am Sonntag raus und nimm Du ruhig einmal eine Fahrt über den See vor.
Ob es Zucker oder so etwas Ähnliches gibt, muß ich dann einmal sehen, ich werde jedenfalls daran denken.
Was  macht der Garten und kommst Du mit allem mit. Aber eines möchte ich immer wieder betonen, sieh Dich vor, daß es Dir nicht zu viel wird.
Von den Tagesereignissen wird man hier eigentlich wenig berührt und zu uns kommt alles später. Aber wir sind froh, wenn wir mit allen mitkommen. - Bei uns auf der Stube sind verschiedene Landleute untergebracht und zwar Dresdner, Sudetendeutsche und wir vom Seekreis. Die verschiedenen Gruppen halten meistens zusammen und so im geheimen sind sie gegeneinander, obwohl wir doch alle zusammen in demselben Dreck liegen müssen. Das  wird sich aber mit der Zeit noch geben.
Der Abend ist herangebrochen und jetzt sollte Feierabend sein. Doch es gibt viele Sonderaufträge, die speziell durch uns Neue erledigt werden müssen. Wir hoffen, daß bald wieder andere neue kommen, die dann das übernehmen müssen. Heute war der erste Tag, an dem wir heute Sonnenschein hatten, doch das macht gleich viel warm.
Sag mal, was hast Du denn Dir erlaubt, mir eine Schokolade mit in den Koffer zu legen. Ich habe sie gefunden, als ich hier den Koffer aufgemacht habe. Ich war aber wirklich freudig überrascht, daß Du Euch diese Tafel noch abgespart hast.
Also euch allen herzlichen Dank dafür. Eins möchte ich nochmals betonen, schickt mir bitte nichts zu essen und verwendet es für Euch, denn Ihr habt mit den Marken doch sehr einzuteilen. Sende mir aber bitte wieder Briefpapier und Umschläge.
Der Muskelkater macht sich bei mir nun auch spürbar, aber auch das wird sich wieder geben. Nun gute Nacht, meine liebe Frau  und sei Du sowie die Kinder herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem -oft an Dich denkenden- Ernst. - Grüße auch bitte Vater recht herzlich von mir und sage ihm daß es mir gut geht.

Sonntag, 24. Mai 2015

Brief 1a vom 20.05.1940


 Angekommen in Konstanz am 24.05.1940



Liebe Annie + liebe Kinder!

Heute hat nun der 2. Tag unserer eigentlichen Ausbildung angefangen. Ich kann Dir nun mitteilen, daß das, was bis jetzt schon verlangt wurde, sehr viel ist und daß wir schon manches Mal im Dreck gelegen sind. Bis jetzt hat mich diese Schleiferei aber noch nicht erschüttern können, denn man merkt, daß die SA-Ausbildung schon etwas ausgemacht hat.
Gestern wurden wir gegen Pocken und Typhus geimpft. Bis jetzt macht mir nur die eine Spritze, die wir erhalten haben, etwas Beschwerden, doch im Großen und Ganzen haben wir nicht viel Gelegenheit, darüber nachzudenken.
Früh um 5 Uhr muß alles raus aus der Falle, denn da ist Wecken, was ziemlich geräuschvoll vor sich geht. Dann müssen wir Betten bauen und anschließend Waschen und Kaffeetrinken. 1/2 7 Uhr fängt der Dienst an, der dann in der Regel durch Unterricht und Exerzieren ausgefüllt ist.
Die Lernmittel sind etwas sehr primitiv, aber beim Kommis kommt dies ja nicht so genau darauf an, denn da muß man eben mitmachen und mitschaffen. Fällt dann einer irgendwie aus dem Rahmen, so muß eben alles dafür büßen. Aber, wie gesagt, das kann mich ja nicht reizen, denn ich bin ja schöner wie die.
Der Vormittagsdienst geht dann bis 12.30 Uhr. Anschließend Mittagessen. aber unsere Speisefolge schreibe ich dir ein anderes Mal. Von 14.30 Uhr bis Abend um 18 Uhr geht dann der Dienst weiter. Nach dem Abendessen ist dann wieder Sachenreinigen, was übrigens am Tage auch einmal vorgenommen werden muß, damit man beim Appell nicht auffällt. Um 10 Uhr abends ist dann Zapfenstreich und alles hat wieder in der Falle zu sein.
Das wäre in großen Zügen der Ablauf unseres Tages. Am Abend legt man sich beruhigt ins Bett mit der Gewissheit, seine Pflicht getan zu haben.
Gestern haben wir unsere Gewehre erhalten und fangen schon mit den Gewehrübungen an. Es sind Gewehre, die im Polenfeldzug erbeutet wurden. Es wird nun sehr schnell gehen, bis wir mit Schießen anfangen. Heute haben wir wahrscheinlich noch Löhnung, bei der wir bis zum 31.5.  25,-Rm wahrscheinlich in tschechischer Währung ausbezahlt erhalten.
Sonst bin ich jetzt auch zu Deiner Methode übergegangen und bürste mir abends die Füße ab, damit sie bei dieser Springerei mithalten können. Es ist wie gesagt nicht viel Zeit  am Tage, um noch über etwas nachzudenken und man muß sich gerade dazu halten, daß man einmal die Bilder seiner Lieben daheim wieder ansehen kann. Wenn Du mir schreibst, so sende doch bitte noch einen Abzug eines Bildes der Kinder mit.
Inzwischen ist Abend geworden und der Dienst ist wieder zu Ende. Die Reitbahn haben wir heute verschiedene Mal wieder ausgemessen, weil einige nicht auf Draht waren und geschlafen haben. Aber bei jedem Male muß man eben denken „Du kannst mich“. Es gibt immer wieder einige, die nicht aufpassen und die anderen müssen dafür büßen.
Löhnung haben wir heute empfangen und zwar 250 CKr. Ich muß heute noch verschiedenes kaufen, damit ich nicht mehr Geld wie 20 RM bei mir habe. - Den Brief muß ich immer in Raten schreiben und liege z.Zt. im Bett und gleich ist Zapfenstreich. Du siehst wieder, daß ich jede Gelegenheit benutze, an Dich zu denken. - Eines möchte ich Dich bitten, schicke mir nichts zu lesen, da die Verpflegung wirklich reichlich und bis jetzt auch gut ist. Eines kannst Du mir aber einmal schicken und zwar solche Dextropur Energen Tabletten und einige alte Wollappen, die ich zum Putzen brauche. - Daß ich immer jetzt mit Tintenstift schreibe, aber für mich ist das günstiger und das geht auch schneller. - Was machen die Kinder und ist auch Jörg immer brav, oder muß ich ihn zur Ordnung rufen. Wenn irgendetwas in dieser Beziehung vorliegt, dann laß mich das bitte wissen. - Heute früh geht nun die Post fort und ich will auch jetzt Schluß machen. Du meine liebe Frau sei jetzt herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Rekruten. Übernimm Dich nicht bei der Arbeit und trinke den befohlenen Rotwein. Nochmals viele herzliche Grüße und Küsse an Dich und die Kinder sendet Dir Dein Ernst.

Freitag, 22. Mai 2015

Brief 1 vom 19.05.1942


Angekommen in Konstanz am 22.05.1942: 
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Meine liebe Annie, liebe Kinder!       Göding, 19.5.1940


Gestern früh um 4 Uhr haben wir es nun geschafft. Meine 4 Karten von unterwegs wirst Du wohl inzwischen erhalten haben, so daß Du über den Verlauf der Fahrt ziemlich unterrichtet bist. Wir sind, wenn man so sagen soll, aus Versehen statt von Immendingen nach Ulm direkt erst über Stuttgart gefahren. Aber das machte ja schließlich nichts, denn das geht ja von unserer Zeit ab.
Die Fahrt haben wir alle soweit gut überstanden. Verpflegung war, wir ich Dir schon geschrieben hatte, gut und reichlich. Angeschlossen sende ich Dir einen Speisezettel für unsere Marschverpflegung, die wir in Ulm erhalten hatten. Zweimal haben wir warmes Essen erhalten. Es war ja nicht schlecht, aber stellenweise sehr scharf.
Das Wetter ist seit Immendingen schlecht und seit wir hier sind sogar sehr schlecht. Im Verhältnis zu dem Wetter, wie es bei uns war, sogar ziemlich kalt.
Gestern früh wurden wir nun eingeteilt, so daß ich wahrscheinlich der Maschinengewehr Kompanie zugeteilt werden werde. Den Eindruck, den ich bis jetzt hier gewonnen habe, ist zwar nicht gerade überzeugend, doch muß man alles so hinnehmen, wie es an einen herankommt. Gestern früh hatten wir zwei Stunden Bettruhe und anschließend fing dann schon die erste Lauferei an. Am Nachmittag haben wir dann unsere Ausrüstungsstücke in Empfang genommen. Die meisten Sachen, die wir erhalten haben, sind neu und zwar 2 Uniformen, je 1 Paar Marsch- und Ausgehstiefel, 1 Paar Ledersportschuhe, 1 Mütze, 1 Stahlhelm, je 2 Paar Nacht- und Taghemden, 2 Paar Unterhosen.
Du siehst also, daß wir mit allem recht versorgt sind. Verschiedene Wäschestücke werde ich wohl hier behalten, aber was ich dann nicht unbedingt brauche, werde ich Dir im Koffer wieder zugehen lassen. Die Wäsche wird hier wöchentlich zurückgegeben und in der folgenden Woche können wir sie wieder abholen. Sonst sind wir als neue zu sechst auf eine Stube gekommen, wo schon mehrere Soldaten liegen, die schon länger hier sind. Sie gehen uns von Fall zu Fall zur Hand.
Morgen werden wir untersucht und vielleicht geht dann das Einzelexerzieren an. Mal sehen, wie das wieder ausfällt und wie sich alles anlässt. Nähen und Schuhputzen habe ich also schon gelernt und für den Feldwebel habe ich auch schon die Sachen putzen müssen. Du siehst also, ich mache mich.
Heute Nachmittag ist nun frei und die anderen haben soweit sie nicht auf Dienst sind, Urlaub. Ich habe mich nun gleich her gesetzt, um Dir gleich Bescheid zukommen zu lassen.
Die Bevölkerung beträgt etwa 14ooo Einwohner, sonst macht sie einen miesen Eindruck. Wie sie sonst im Umgang sind, wird sich dann zeigen, wenn wir in etwa 14 Tagen Ausgang haben.
Die Verpflegung ist, wie ich schon geschrieben habe, gut und reichlich. Heute hat jeder eine Flasche Bier erhalten, die ich aber verschenkt habe. Eines möchte ich Dich bitten, schicke mir ja nichts zu lesen, denn wir können hier alles in der Kantine kaufen. Schokolade oder sonstiges ist alles zu haben. Die erste Löhnung werden wir in den nächsten Tagen erhalten, so daß ich auch Geld auf der Hand haben werde.
Heute werde ich noch an Kurt und auch nach Leipzig schreiben. Ob ich Dir dann in den nächsten Tagen so viel und ausführlich schreiben kann, ist sehr fraglich, weil es dann ziemlich strenger werden wird.
Meine Anschrift lautet und muß auf dem Umschlag wie folgt aussehen:
                           
 F E L D P O S T         
über Deutsche Dienstpost Böhmen - Mähren         
An den Schützen Ernst Rosche         
4 Komp.Inf.Ers.Batl.460          
Göding (Mähren)         
 Postsammelstelle Prag.

Wie geht es Euch, seid Ihr etwa auch in Mitleidenschaft gezogen worden bei den feindlichen Einflügen, die im Radio gemeldet wurden. Das ist mir eine der größten Sorgen, die ich mir um Euch mache, das andere hier werde ich schon überstehen.
Ist Jörg auch brav und macht er Dir auch keinen Ärger? Helga wird ja sicher ihre Sache machen. Wenn beide mit schreiben würden, so würde ich mich sehr darüber freuen. Kommst Du mit Deiner Arbeit nach? Wenn nicht, so übernimm Dich nur nicht dabei und laß lieber etwas liegen. Die Sachen mit der SA hast Du wohl erledigt und was ist mit den Stiefeln geworden, hat die der Hantke geholt?- Bleibt mir alle zusammen gesund und sei Du herzlicht gegrüßt und geküsst von Deinem Ernst. - Die Kinder grüßt und küßt herzlich Ihr Vater. - Grüße bitte Vater von mir und sage ihm, er soll mir Bitte ein weiteres Schreiben ersparen.

(Speisezettel  Kalte Kost für 2 Tage:  Mittag:   1. Tag = 200g Krakauerwurst,  2. Tag 200 g ger. Schinkenwurst oder Kochsalami. Abend:   1. Tag = 100 g Edamerkäse,   2. Tag 150 g Weichkäse.  Morgen:  1. Tag = 100 g Butter, 2. Tag 100 g Butter  )