Mittwoch, 10. Juni 2015
Mittwoch, 3. Juni 2015
Briefe vom 25. und 26.5.1940
Angekommen in Konstanz am 31.05.1940
Meine liebe gute Frau! Göding, den 25.Mai 1940
Nun ist tatsächlich die erste Woche um.
Wir haben, wie Du aus meinen anderen
Briefen herausgelesen haben wirst, streng Dienst gemacht, doch gerade deshalb
wird es so schnell vorbeigegangen sein.
Heute wollen wir nochmals geimpft werden
und Gasmasken werden auch noch verpasst. Morgen geht die Vereidigung vor sich,
wir haben auch hier am Sonntag Dienst, wenn es mir auch nichts Neues ist, der
Sonntag.
Jetzt sitze ich wieder im Bett und möchte
meinen Brief fortsetzen, obwohl mir die Glieder durch die Impferei und die
Wärme, die heute geherrscht hat, wie abgeschlagen sind.
Heute haben wir eine Spritze von 10 ccm
bekommen, das ist das Doppelte von dem, was wir am letzten Mal erhalten haben.
Ich hoffe, daß die Reaktion des Körpers in einigen Tagen vorbei ist.
Ich habe mir wieder 1/4 lt. Wein
genehmigt, damit ich das besser überstehe und die nötige Bettruhe habe. Morgen
früh brauchen wir erst wahrscheinlich um 7 Uhr aufstehen. Ich habe mich an die
kurze Schlafenszeit ganz gut gewöhnt und
im Großen und Ganzen macht das mir nicht viel aus.
Was machen meine Strolche und wie geht es
Ihnen. Ich hoffe, daß morgen vielleicht von Dir Post eintrifft, was mich sehr
freuen würde.
Geht Ihr auch am Sonntag fort? Unterlasse
das bitte nicht. Auch das Weintrinken, so wie wir es besprochen haben, führe
bitte durch.
Wenn Du das Briefpapier schicken solltest,
so lege bitte noch etwas alten bindfaden mit bei, denn hier müssen wir ihn
teuer bezahlen.
Gute Nacht, liebes Mädel , und sei Du
vielmals herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Ernst.
Küsse unsere beiden Rabauzen noch fest von
mit und grüße auch Vater herzlich.
26.5.40
Der Brief hätte heute früh weg gesandt
werden sollen, doch heute früh ist keine Post abgeholt worden. Aus diesem Grund
kommen 2 Briefe in einem.
Geliebte Frau und meine lieben
Kinder! Göding, den
26.5.1940
Wunderbar sonniges Wetter ist heute, die
Kastanienbäume prahlen direkt mit ihren schönen Kerzen, die durch den lauen
Westwind sanft hin und her geschaukelt werden. Der Wind erinnert mich an Euch,
weil er doch aus der Gegend kommt, wo meine Gedanken jetzt sind. Die Schwalben
suchen Futter für ihre Jungen, so daß das friedliche Bild ganz abgerundet ist.
Wenn ich nicht wüßte, daß ich gerade wegen
des Krieges zum Militär einberufen worden bin, so könnte man kaum glauben, daß
im gegenwärtigen Augenblick Tausend bluten müssen.
Ich habe mich aus der Stube geflüchtet und
mich auf die Reitbahn verzogen. Heute Nachmittag haben wir nach anstrengender
Woche dienstfrei und nun kann ich mich wieder einmal bewegen wie ich will. Nach
Tagen des straffen Zwanges tut einem das einmal so richtig gut.
Durch die gestrige Spritze sind bei uns
heute alle wie abgeschlagen. Ich ruhe mich nun noch etwas aus, damit ich den
Anforderungen der kommenden Woche wieder gewachsen bin.
Unser Stuben- und Flurdienst ist heute
Mittag vorbei und gestern hatten wir Revierreinigung. Dabei müssen alle Mann
helfen, das ist sozusagen die Generalreinigung der Woche.
Heute früh ist es flott gegangen mit dem
Frühstück und mir war es schwummerig bei der Vereidigung. Von den anderen
Kompanien sind einige umgefallen, bei uns aber nicht. Mittags hat´s Kartoffeln
mit Kalbfleisch und rote Rüben gegeben. Am Abend gibt´s wieder Eier, Käse und
Kaffee und Radieschen. Wir leben also nicht schlecht. Wenn auch die räumlichen
Verhältnisse primitiv sind, so nehmen wir alles so wie es ist, ohne viel dabei
zu überlegen und zu denken.
An Nanni schreibe ich heute auch noch,
damit sie von mir auch ein Lebenszeichen erhält.
Dir habe ich nun die ganze Woche
geschrieben und Du wirst sicher nicht über mich klagen können. Von dir ist noch
nichts eingetroffen, ich denke bald welche von Dir zu bekommen. Zum Teil haben
die anderen Kameraden schon Post aus Konstanz erhalten.
Was wir so noch von der Bevölkerung
gesehen haben, so fällt einem auf, daß die Frauen vielfach noch in ihrer
Volkstracht laufen, die gerne grelle Farben bevorzugen. Ebenfalls ist alles mit
reichhaltiger Stickerei versehen. Weiter sieht man Frauen wie Mädchen mit
bunten Kopftüchern herumlaufen. Aber neben diesen Trachten sieht man sehr arme
Bevölkerung, die auch am Sonntag barfuß herumläuft, doch kann man andererseits
feststellen, daß viele Frauen hochmodern herumlaufen und gegen die armen Leute
gerade abstechen.
Ich möchte wieder Schluß machen und Dir
viele Grüße und Küsse übersenden.
Küsse Helga und Jörg von mir und sei
nochmals vielmals gegrüßt von Deinem Ernst.
Freitag, 29. Mai 2015
Brief 4 vom 24.5.1940
Angekommen in Konstanz am 29.05.1940
Liebe Annie und liebe Kinder! Göding, den 24.5.1940
Die Tage fliegen nur so dahin und kaum hat
man sich´s versehen, so ist eine Woche wieder vorbei.
Morgen ist Samstag und ich werde
wahrscheinlich mit dem Stuben- oder Flurdienst drankommen, so daß ich
wahrscheinlich kaum zum Schreiben kommen werde. Da habe ich mit anderen Kameraden
die Stube oder den Flur zu reinigen und man muß während dieser Tage fest
springen, um bei allem mitzukommen.
Also, Du wirst an diesem Tage kurz treten
müssen, doch ich glaube, daß diese Gründe zwingend sind.
Wie wir heute erfahren haben, werden wir
wahrscheinlich am Sonntag vereidigt. Aus diesem Grunde werden wir noch über die
Pflichten des deutschen Soldaten unterrichtet. So greift mit der übrigen
Ausbildung alles in einander.
So was wir noch gehört haben, haben wir
bis jetzt den Eindruck hinterlassen, als ob der größte Teil schon etwas taugt.
Gestern habe ich mir die erste Halsbinde
selber gewaschen und die Strümpfe werden am Sonntag oder gar noch heute drankommen.
Es gibt bis jetzt also wirklich noch keine Möglichkeit, daß man Langeweile
bekommt.
Ich bin nun für heute bis zum
Sonntagmittag zum Reinigen eingeteilt, so daß ich sicher nicht so viel
schreiben kann.
Trotz des Sonderdienstes habe ich mir hier
ein Viertel Weißwein genehmigt, damit ich besser schlafen kann. Wie ich Dir
aber schon einmal geschrieben habe, so sind wir am Abend tüchtig müde. Aber der
Dienst geht mir wieder so in Fleisch und Blut über, daß ich nachts schon die
verschiedenen Männer antreten lasse und kommandiere.
Auch hier kommt meine alte Schwäche wieder
zum Vorschein. Jedenfalls haben mir die Kameraden erzählt, daß ich vorletzte
Nacht kommandiert habe.
Ein Kamerad wird mich wahrscheinlich am
Sonntag fotografieren, so daß ich Dir bald den Film zukommen lassen kann, von
dem Du dann eine Vergrößerung anfertigen lassen kannst. Ich will mal sehen, wie
es ausfällt.
Gute Nacht liebes Mädel und sei vielmals
herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Soldaten Ernst. Küsse die Kinder vielmals
von mir und grüße auch Vater.
Dienstag, 26. Mai 2015
Brief 3 vom 23.05.1940
Angekommen in Konstanz am 27.05.1940
Mein liebe Frau! Göding, den 23.5.40
Gestern habe ich Dir geschrieben und ich
bin bemüht, Dir laufend Nachricht zukommen zu lassen.
Heute ist wieder schönes Wetter und die
Kastanien und der Flieder blühen, so daß man auch hier merkt, daß der Frühling
eingezogen ist.
Wir haben zwar etwas mehr zu schwitzen,
doch die Welt sieht dabei ganz anders aus. Eines habe ich aber festgestellt,
daß die Sprüche, die ich früher von anderen gehört habe, stark übertrieben
sind. Wenn es nicht schlimmer kommt, komme ich ohne weiteres bei allem mit,
ohne daß ich noch nebenbei etwas lernen muß. Ich habe mir es jedenfalls
schwerer vorgestellt.
Heute früh war es mir zwar etwas
schwummerig, aber wenn man sich ein bißchen zusammenreißt, so geht das schon.
Verschiedene sind wieder heimgeschickt worden wegen verschiedener Leiden,
andere sind schon wegen ihrer Leiden ins Revier gekommen.
Heute Mittag hatten wir Eintopf zum Essen
und zwar so eine Art Spätzle mit Kartoffeln und Fleisch. Es war nicht schlecht,
doch der Sodageschmack liegt mir noch auf der Zunge.
Ich leiste mir am Tage immer eine Tafel
Schokolade, die wir hier in der Kantine kaufen können, damit es immer ein
bißchen Abwechslung gibt. Man muß eben sehen, wie man sich das Leben den
Umständen entsprechend einigermaßen angenehm gestaltet.
Übrigens, von Deinem selbstgebackenen
Gebäck habe ich noch einiges da liegen und nehme mir hin und wieder etwas
davon.
Ist unser Junge auch brav und was macht
unsere Helga. Sind beide gesund und wie geht es ihnen? Was machst Du und wie
geht Dir`s. Ich hoffe in dieser Woche noch von Dir Nachricht zu erhalten.
Für diesmal will ich es kürzer machen, es
kann aber möglich sein, daß es mir heute Abend noch zu einem Gruß im Bett
langen wird.
Es ist wieder Abend geworden. Der Dienst
ist für heute zu Ende. Heute Abend hat es etwas für Euch seltenes zum Abendessen
gegeben und zwar Heringssalat mit Gurkenstücken drin. Das war sehr Appetit anregend.
Ich will Dir den Mund aber nicht
wässrig machen.
Ich werde noch an Gerhard und ans Geschäft
schreiben, damit die zufrieden sind.
Ein neues Lied haben wir auch wieder
gelernt und zwar „Monika“. Das wird jetzt mit großer Begeisterung von uns gesungen.
Gute Nacht meine liebe Annie und sei Du herzlich gegrüßt und geküsst von Deinem
Ernst. Küsse die Kinder für mich und sage Ihnen, daß sie Dir parieren sollen,
damit ich mir um sie keine Sorgen machen brauche. Grüße auch Vater. .
Brief 2 vom 22.05.1940
Angekommen in Konstanz am 27.05.1940
Meine liebe Annie + liebe Kinder! Göding, den 22.5.40
Eine Woche ist nun vergangen, seit ich nun
von Euch fort bin. Ich sehe Euch 3 noch am Zuge stehen, als wir fort fuhren,
was in der Zeit bei Euch vorgefallen ist und wie es Euch geht ist mir noch
unbekannt. Ich werde bemüht sein, Euch weiter auf dem Laufenden zu halten, wie
es mir geht und wie es mir ergangen ist.
Heute waren wir zur Blutentnahme für
Blutproben. Früh sind wir heute wegen Alarmübung mit aus der Falle geholt
worden, so daß wir schon 1/4 5 Uhr raus mußten. Weiter hatten wir wieder
exerzieren und Unterricht. Der Vormittag ist wieder vorbei und jetzt haben wir
Mittagspause. Heute gibt es Kartoffeln, Sauerkraut, Schweinefleisch + Suppe.
Sonst geht die Ausbildung ziemlich Tempo,
Tempo. Gewehrgriffe und Zielübungen werden heute noch durchgenommen und wer da
sein bißchen Grips nicht zusammennimmt, der hat schon Schwierigkeiten.
So kann es passieren, daß der betreffende
den Kaserenenhof durchmessen muß. Das wäre an sich schließlich auch nicht so
schlimm, wenn die jungen Oberschützen, Gefreiten oder Unteroffizieren nicht
immer dabei grinsen würden. Man muß eben immer wieder denken, wie ich Dir ja
schon geschrieben habe, „Du kannst mich“.
Wir haben aber auch unter den Rekruten
einige dabei, die sich gerne wichtig machen wollen.
Gestern Abend bin ich schon mit einem zusammengestoßen,
weil der sich schon aufspielen wollte. Na Du weißt ja, daß ich mir da nicht
gleich etwas gefallen lasse. Über die weiteren Ereignisse werde ich Dir
vielleicht heute Abend berichten.
Was machen denn unsere beiden Göhren. Sind
sie noch frisch und munter und folgen sie Dir auch richtig. Ich hoffe es
jedenfalls und glaube, daß sie Dir nicht viel Schwierigkeiten machen. Geh Du
doch bitte, soweit es das Wetter zuläßt, wenigstens am Sonntag raus und nimm Du
ruhig einmal eine Fahrt über den See vor.
Ob es Zucker oder so etwas Ähnliches gibt,
muß ich dann einmal sehen, ich werde jedenfalls daran denken.
Was
macht der Garten und kommst Du mit allem mit. Aber eines möchte ich
immer wieder betonen, sieh Dich vor, daß es Dir nicht zu viel wird.
Von den Tagesereignissen wird man hier
eigentlich wenig berührt und zu uns kommt alles später. Aber wir sind froh,
wenn wir mit allen mitkommen. - Bei uns auf der Stube sind verschiedene
Landleute untergebracht und zwar Dresdner, Sudetendeutsche und wir vom
Seekreis. Die verschiedenen Gruppen halten meistens zusammen und so im geheimen
sind sie gegeneinander, obwohl wir doch alle zusammen in demselben Dreck liegen
müssen. Das wird sich aber mit der Zeit
noch geben.
Der Abend ist herangebrochen und jetzt
sollte Feierabend sein. Doch es gibt viele Sonderaufträge, die speziell durch
uns Neue erledigt werden müssen. Wir hoffen, daß bald wieder andere neue
kommen, die dann das übernehmen müssen. Heute war der erste Tag, an dem wir
heute Sonnenschein hatten, doch das macht gleich viel warm.
Sag mal, was hast Du denn Dir erlaubt, mir
eine Schokolade mit in den Koffer zu legen. Ich habe sie gefunden, als ich hier
den Koffer aufgemacht habe. Ich war aber wirklich freudig überrascht, daß Du
Euch diese Tafel noch abgespart hast.
Also euch allen herzlichen Dank dafür.
Eins möchte ich nochmals betonen, schickt mir bitte nichts zu essen und
verwendet es für Euch, denn Ihr habt mit den Marken doch sehr einzuteilen.
Sende mir aber bitte wieder Briefpapier und Umschläge.
Der Muskelkater macht sich bei mir nun
auch spürbar, aber auch das wird sich wieder geben. Nun gute Nacht, meine liebe
Frau und sei Du sowie die Kinder
herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem -oft an Dich denkenden- Ernst. - Grüße
auch bitte Vater recht herzlich von mir und sage ihm daß es mir gut geht.
Sonntag, 24. Mai 2015
Brief 1a vom 20.05.1940
Angekommen in Konstanz am 24.05.1940
Liebe Annie + liebe Kinder!
Heute hat nun der 2. Tag unserer
eigentlichen Ausbildung angefangen. Ich kann Dir nun mitteilen, daß das, was
bis jetzt schon verlangt wurde, sehr viel ist und daß wir schon manches Mal im
Dreck gelegen sind. Bis jetzt hat mich diese Schleiferei aber noch nicht
erschüttern können, denn man merkt, daß die SA-Ausbildung schon etwas
ausgemacht hat.
Gestern wurden wir gegen Pocken und Typhus
geimpft. Bis jetzt macht mir nur die eine Spritze, die wir erhalten haben,
etwas Beschwerden, doch im Großen und Ganzen haben wir nicht viel Gelegenheit,
darüber nachzudenken.
Früh um 5 Uhr muß alles raus aus der
Falle, denn da ist Wecken, was ziemlich geräuschvoll vor sich geht. Dann müssen
wir Betten bauen und anschließend Waschen und Kaffeetrinken. 1/2 7 Uhr fängt
der Dienst an, der dann in der Regel durch Unterricht und Exerzieren ausgefüllt
ist.
Die Lernmittel sind etwas sehr primitiv,
aber beim Kommis kommt dies ja nicht so genau darauf an, denn da muß man eben
mitmachen und mitschaffen. Fällt dann einer irgendwie aus dem Rahmen, so muß
eben alles dafür büßen. Aber, wie gesagt, das kann mich ja nicht reizen, denn
ich bin ja schöner wie die.
Der Vormittagsdienst geht dann bis 12.30
Uhr. Anschließend Mittagessen. aber unsere Speisefolge schreibe ich dir ein
anderes Mal. Von 14.30 Uhr bis Abend um 18 Uhr geht dann der Dienst weiter.
Nach dem Abendessen ist dann wieder Sachenreinigen, was übrigens am Tage auch
einmal vorgenommen werden muß, damit man beim Appell nicht auffällt. Um 10 Uhr
abends ist dann Zapfenstreich und alles hat wieder in der Falle zu sein.
Das wäre in großen Zügen der Ablauf
unseres Tages. Am Abend legt man sich beruhigt ins Bett mit der Gewissheit,
seine Pflicht getan zu haben.
Gestern haben wir unsere Gewehre erhalten
und fangen schon mit den Gewehrübungen an. Es sind Gewehre, die im Polenfeldzug
erbeutet wurden. Es wird nun sehr schnell gehen, bis wir mit Schießen anfangen.
Heute haben wir wahrscheinlich noch Löhnung, bei der wir bis zum 31.5. 25,-Rm wahrscheinlich in tschechischer
Währung ausbezahlt erhalten.
Sonst bin ich jetzt auch zu Deiner Methode
übergegangen und bürste mir abends die Füße ab, damit sie bei dieser Springerei
mithalten können. Es ist wie gesagt nicht viel Zeit am Tage, um noch über etwas nachzudenken und man muß sich gerade
dazu halten, daß man einmal die Bilder seiner Lieben daheim wieder ansehen
kann. Wenn Du mir schreibst, so sende doch bitte noch einen Abzug eines Bildes
der Kinder mit.
Inzwischen ist Abend geworden und der
Dienst ist wieder zu Ende. Die Reitbahn haben wir heute verschiedene Mal wieder
ausgemessen, weil einige nicht auf Draht waren und geschlafen haben. Aber bei
jedem Male muß man eben denken „Du kannst mich“. Es gibt immer wieder einige,
die nicht aufpassen und die anderen müssen dafür büßen.
Löhnung haben wir heute empfangen und zwar
250 CKr. Ich muß heute noch verschiedenes kaufen, damit ich nicht mehr Geld wie
20 RM bei mir habe. - Den Brief muß ich immer in Raten schreiben und liege
z.Zt. im Bett und gleich ist Zapfenstreich. Du siehst wieder, daß ich jede Gelegenheit
benutze, an Dich zu denken. - Eines möchte ich Dich bitten, schicke mir nichts
zu lesen, da die Verpflegung wirklich reichlich und bis jetzt auch gut ist.
Eines kannst Du mir aber einmal schicken und zwar solche Dextropur Energen
Tabletten und einige alte Wollappen, die ich zum Putzen brauche. - Daß ich
immer jetzt mit Tintenstift schreibe, aber für mich ist das günstiger und das
geht auch schneller. - Was machen die Kinder und ist auch Jörg immer brav, oder
muß ich ihn zur Ordnung rufen. Wenn irgendetwas in dieser Beziehung vorliegt,
dann laß mich das bitte wissen. - Heute früh geht nun die Post fort und ich
will auch jetzt Schluß machen. Du meine liebe Frau sei jetzt herzlich gegrüßt
und geküßt von Deinem Rekruten. Übernimm Dich nicht bei der Arbeit und trinke
den befohlenen Rotwein. Nochmals viele herzliche Grüße und Küsse an Dich und
die Kinder sendet Dir Dein Ernst.
Freitag, 22. Mai 2015
Brief 1 vom 19.05.1942
Angekommen in Konstanz am 22.05.1942:
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Meine liebe Annie, liebe Kinder! Göding, 19.5.1940
Gestern früh um 4 Uhr haben wir es nun
geschafft. Meine 4 Karten von unterwegs wirst Du wohl inzwischen erhalten
haben, so daß Du über den Verlauf der Fahrt ziemlich unterrichtet bist. Wir
sind, wenn man so sagen soll, aus Versehen statt von Immendingen nach Ulm
direkt erst über Stuttgart gefahren. Aber das machte ja schließlich nichts,
denn das geht ja von unserer Zeit ab.
Die Fahrt haben wir alle soweit gut
überstanden. Verpflegung war, wir ich Dir schon geschrieben hatte, gut und
reichlich. Angeschlossen sende ich Dir einen Speisezettel für unsere
Marschverpflegung, die wir in Ulm erhalten hatten. Zweimal haben wir warmes
Essen erhalten. Es war ja nicht schlecht, aber stellenweise sehr scharf.
Das Wetter ist seit Immendingen schlecht
und seit wir hier sind sogar sehr schlecht. Im Verhältnis zu dem Wetter, wie es
bei uns war, sogar ziemlich kalt.
Gestern früh wurden wir nun eingeteilt, so
daß ich wahrscheinlich der Maschinengewehr Kompanie zugeteilt werden werde. Den
Eindruck, den ich bis jetzt hier gewonnen habe, ist zwar nicht gerade
überzeugend, doch muß man alles so hinnehmen, wie es an einen herankommt.
Gestern früh hatten wir zwei Stunden Bettruhe und anschließend fing dann schon
die erste Lauferei an. Am Nachmittag haben wir dann unsere Ausrüstungsstücke in
Empfang genommen. Die meisten Sachen, die wir erhalten haben, sind neu und zwar
2 Uniformen, je 1 Paar Marsch- und Ausgehstiefel, 1 Paar Ledersportschuhe, 1
Mütze, 1 Stahlhelm, je 2 Paar Nacht- und Taghemden, 2 Paar Unterhosen.
Du siehst also, daß wir mit allem recht
versorgt sind. Verschiedene Wäschestücke werde ich wohl hier behalten, aber was
ich dann nicht unbedingt brauche, werde ich Dir im Koffer wieder zugehen
lassen. Die Wäsche wird hier wöchentlich zurückgegeben und in der folgenden
Woche können wir sie wieder abholen. Sonst sind wir als neue zu sechst auf eine
Stube gekommen, wo schon mehrere Soldaten liegen, die schon länger hier sind.
Sie gehen uns von Fall zu Fall zur Hand.
Morgen werden wir untersucht und
vielleicht geht dann das Einzelexerzieren an. Mal sehen, wie das wieder
ausfällt und wie sich alles anlässt. Nähen und Schuhputzen habe ich also schon
gelernt und für den Feldwebel habe ich auch schon die Sachen putzen müssen. Du
siehst also, ich mache mich.
Heute Nachmittag ist nun frei und die
anderen haben soweit sie nicht auf Dienst sind, Urlaub. Ich habe mich nun
gleich her gesetzt, um Dir gleich Bescheid zukommen zu lassen.
Die Bevölkerung beträgt etwa 14ooo
Einwohner, sonst macht sie einen miesen Eindruck. Wie sie sonst im Umgang sind,
wird sich dann zeigen, wenn wir in etwa 14 Tagen Ausgang haben.
Die Verpflegung ist, wie ich schon
geschrieben habe, gut und reichlich. Heute hat jeder eine Flasche Bier
erhalten, die ich aber verschenkt habe. Eines möchte ich Dich bitten, schicke
mir ja nichts zu lesen, denn wir können hier alles in der Kantine kaufen.
Schokolade oder sonstiges ist alles zu haben. Die erste Löhnung werden wir in
den nächsten Tagen erhalten, so daß ich auch Geld auf der Hand haben werde.
Heute werde ich noch an Kurt und auch nach
Leipzig schreiben. Ob ich Dir dann in den nächsten Tagen so viel und ausführlich
schreiben kann, ist sehr fraglich, weil es dann ziemlich strenger werden wird.
Meine Anschrift lautet und muß auf dem
Umschlag wie folgt aussehen:
F E L D P O S T
über Deutsche Dienstpost Böhmen - Mähren
An den Schützen Ernst Rosche
4 Komp.Inf.Ers.Batl.460
Göding (Mähren)
Postsammelstelle Prag.
Wie geht es Euch, seid Ihr etwa auch in
Mitleidenschaft gezogen worden bei den feindlichen Einflügen, die im Radio
gemeldet wurden. Das ist mir eine der größten Sorgen, die ich mir um Euch
mache, das andere hier werde ich schon überstehen.
Ist Jörg auch brav und macht er Dir auch
keinen Ärger? Helga wird ja sicher ihre Sache machen. Wenn beide mit schreiben
würden, so würde ich mich sehr darüber freuen. Kommst Du mit Deiner Arbeit
nach? Wenn nicht, so übernimm Dich nur nicht dabei und laß lieber etwas liegen.
Die Sachen mit der SA hast Du wohl erledigt und was ist mit den Stiefeln
geworden, hat die der Hantke geholt?- Bleibt mir alle zusammen gesund und sei
Du herzlicht gegrüßt und geküsst von Deinem Ernst. - Die Kinder grüßt und küßt
herzlich Ihr Vater. - Grüße bitte Vater von mir und sage ihm, er soll mir Bitte
ein weiteres Schreiben ersparen.
(Speisezettel Kalte Kost für 2 Tage:
Mittag: 1. Tag = 200g
Krakauerwurst, 2. Tag 200 g ger.
Schinkenwurst oder Kochsalami. Abend:
1. Tag = 100 g Edamerkäse, 2.
Tag 150 g Weichkäse. Morgen: 1. Tag = 100 g Butter, 2. Tag 100 g
Butter )
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